Liebe Freunde der Hochleistungsverbrennungskraftmaschinen
Die Rennsaison 2000 hat begonnen mit dem ersten Grab the Flag am
Hungaroring. Wie immer wurden meine Renngeräte erst in letzter Sekunde
fertig, obwohl ... nichtmal das, die Sarolea hat am Tag der Abfahrt zwar
noch den Motor mit neu geschnitzter Kopfdichtung eingepflanzt bekommen,
aber alle restlichen Teile wurden einfach in zwei Kisten verteilt
eingeladen zur Endmontage am Rennplatz. Die für Mittag projektierte
Abfahrt vom Teamstützpunkt Freising verzögerte sich deswegen auch noch
um die eine oder andere Stunde und so gings gegen 19:00 los auf die
lange Reise. Die Grenze nach Ungarn war mal wieder ein
Unsicherheitsfaktor, weil für die Sarolea immer noch keinerlei Papiere
existieren, aber der Kommentar der freundlichen Grenzerin war nur "was
hamms denn da dabei, ahh, Motorradl, gute Fahrt, follns net hin".
Inzwischen war es so gegen drei Uhr morgens, meine Augen wollten immer
wieder zuklappen und das Radio konnte plötzlich nur noch ungarisch, was
ich leider nicht im geringsten verstehe. Um halb vier habe ich
beschlossen, daß es gescheiter ist anzuhalten und ne Runde zu schlafen,
obwohl es nur noch 100 km bis zum Rennplatz waren. Also ab in die
Schlafkoje und ein zwei Mützen Schlaf genommen, um halb sechs wieder
aufgewacht und weiter gings in Richtung Budapest, wo um halb sieben in
der früh scheinbar jeder auf der Straße ist der ein Auto oder Moped oder
sonstwas hat, der Verkehr funktioniert hier nach dem System "Augen zu
und durch" dem ich mich leicht anpassen konnte, weil meine Augen sowieso
noch fast zu waren.
Freitag, 7:30, Ankunft am Rennplatz
Hier herrscht noch völlige Ruhe, vereinzelte Gestalten kommen aus den
Waschräumen getorkelt und blinzeln in die grelle Sonne und nach und nach
kommen immer mehr aus den Boxen und Zelten. An weiteres schlafen, was
ich eigentlich vorhatte ist natürlich nun auch nicht mehr zu denken,
zuerst also der obligatorische Rundgang mit Hallo hier und da und
natürlich Begutachtung des gegnerischen Materials.
Natürlich hat wieder keiner was verändert, ... jaja, wers glaubt, die
neuen Teile muß wohl jemand anderes heimlich hingeschraubt haben.
Die ersten Trainingsrunden lasse ich ausfallen, versuche mich erstmal
mit etwas Kaffee zu Dopen und schaue den anderen beim fahren zu. Kurz
vor Mittag zwänge ich mich doch noch in die Rennkombi, flöße der Guzzi
ein paar Liter Benzin ein, lasse mich anschieben und drehe die ersten
Runden. Mann und Maschine ganz gemütlich warmfahren ist angesagt, aber
direkt wohl fühle ich mich nicht, es ist die erste Fahrt mit dem
Mandellobomber seit Rijeka und die geht schon wesentlich anders zur
Sache als die SRX. In der Mittagspause schaffe ich es tatsächlich, ein
Stündchen zu schlafen und erwache von Motorengebrüll, aber schon
deutlich fitter. Eberhard hat inzwischen eine Box organisiert, die wir
mit Frank, einem Triton Fahrer (wenn sie ausnahmsweise mal fuhr) teilen.
Ein paar Trainingsläufe mache ich noch mit, aber so richtig flüssig wie
im letzten Jahr gehts einfach nicht, da steckt wohl immer noch der Sturz
von Rijeka im Kopf und an die neue Sitzposition mit dem ewig langen Tank
muß ich mich auch erstmal gewöhnen.
Nach Trainingsende mache ich mich langsam dran, die Sarolea zu
komplettieren und mit der Hilfe von Hans und Eberhard geht es auch recht
schnell, wir diskutieren eine Weile wie denn nun so ein Magnetzünder
genau eingestellt wird, letztendlich müssen Hans und ich aber dem
Eberhard recht geben, es wird so gemacht wie er meint und der Erfolg gab
ihm recht. Der weitere Verlauf des Abends braucht keine großen Worte, es
wurde wie immer viel zu spät, wir hatten weit und breit das einzige
kalte Bier, was immer mehr Besucher zu uns in die Box gelockt hat, mehr
sage ich besser nicht dazu .....
Samstag, 9:00
WROOOOMMMMM, WABROOOOOO [ca. 120dB]
Mein Kopf scheint zu explodieren, aber ich bin ja selber schuld, warum
muß ich eigentlich immer bei den letzten sein die schlafen gehen??
Was solls, jammern hilft jetzt auch nix, raus aus der Koje und rein in
die Kombi, ich muß schließlich sehen, daß ich vor dem ersten Rennen am
Nachmittag noch ein paar Trainingsrunden zusammenbekomme. Hans und
Eberhard sind schon wieder fleißig auf der Bahn unterwegs und, sie sind
halt auch zwei Stunden vor mir schlafen gegangen. Nach dem ersten
Trainingsset montiere ich noch den Tank von der Sarolea und es kann
losgehen. Benzin rein, er ist dicht .. hoffentlich bleibts auch so. Nach
wenigen Metern anschieben springt sie auch auf Anhieb an und tuckert
munter vor sich hin. Ein paar kleine Runden durchs Fahrerlager zum
warmfahren, alles scheint zu funktionieren. Beim Abstellen vor der Box
fliegt jedoch der Benzinhahn auseinander, eine kleine Madenschraube,
die den Schieber halten soll, hats wegvibriert. Da ich vor zwölf noch
mindestens drei gemessene Rundenzeiten brauche um mich fürs Rennen zu
qualifizieren brauche ich schnellstens Ersatz, und ein paar Boxen weiter
bei den Österreichern hat tatsächlich einer einen genau passenden Hahn
als Ersatz dabei, wir tauschen die Hähne und nach der Montage gehts auch
sofort raus auf die Bahn, aber ich schaffe nur zwei Runden, dann wird
abgewunken, so ein Mist! Die erste Sichtkontrolle des Motorrads ergibt
wieder einige lockere Schrauben, die nun sofort mit der Wirbeldrahtzange
gesichert werden. Als Irma vorbeikommt, frage ich sie ob ich auch mit
nur zwei Rundenzeiten starten darf, sie überlegt kurz und erteilt mir
eine Ausnahmegenehmigung, na also, wer sagts denn. Nach der Mittagspause
gibts nochmal ein Training für jede Klasse und ich fahre mit der Guzzi
nochmal kurz raus um nicht ganz so unvorbereitet ins Rennen zu gehen.
Der erste Lauf ist auch gleich die Open Class, ich muß aus der vierten
Reihe starten, weil meine Trainingszeiten nicht so gut waren, aber kein
Problem, Starts kann ich ja recht gut. Als Dirk die Flagge hochreißt
komme ich auch super weg, gehe als vierter in die erste Kurve und bleibe
erstmal am Spitzenteam dran, aber nicht lange, dann wird der Abstand
immer größer. An der Bergaufstrecke , kurz vor dem Abwinkeln in die
Linkskurve halte ich mich wie immer ganz rechts, plötzlich trifft mich
fast der Blitz als die Schellenberger´sche BMW plötzlich rechts neben
mir verbeiwill, wir berühren uns fast ... der Mann hat wirklich keine
Nerven, um bloß nicht mehr in so eine Situation zu kommen winke ich ihn
nach der Kurve höflich vorbei, soll er doch fahren wo er will, bloß
nicht mehr in meiner Nähe. Ich fahre die nächsten Runden immer in
Sichtweite, hinter mir ein Pulk von drei oder vier Fahrern, aber der
Abstand wird immer größer. Als ich in der fünften Runde beim
rausbeschleunigen aus der Kurve einen bösen Rutscher hinten habe und die
Guzzi hin und herbockt wie ein wildgewordenes Pferd , rutscht mir
kurzfristig das Herz in die Hose und die nächsten zwei drei Kurven lasse
ich langsamer angehen, was kurz darauf eine Ducati ausnutzt und mich
nach der Schikane einfach überholt. Das lasse ich natürlich auch nicht
so ohne weiteres auf mir sitzen und hänge mich an sein Hinterrad, wo ich
bis zum Ende des Rennens klebenbleibe, ich werde als sechster abgewunken
und bin ganz zufrieden. Nun ist für mich erstmal zwei Stunden Pause, die
nächsten Rennen schaue ich mir sporadisch an und sehe nochmal die
Sarolea durch, die Vorkriegsklasse ist als letzte dran.
Die Startaufstellung geht schnell vonstatten, und es herrscht erstmal
Ruhe, in dieser Klasse wird mit stehendem Motor gestartet. Als die
Startflagge hochgeht, komme ich zwar gut weg, aber schon nach wenigen
Metern bin ich wie erwartet letzter, macht aber nix, schließlich ist für
die alte Dame ankommen so gut wie ein Sieg. Die ersten Runden hält sie
sich auch recht wacker und ich komme sogar dem vorletzten ein Stückchen
näher, aber in der 180 Grad linkskurve kurz vor der Zielgeraden setzt
der auspuff hart auf, mich trägts ein Stück nach außen und ich verliere
wieder wichtige Meter. Nach vier Runden wird das Maschinchen immer
langsamer, ein langsamer aber stetiger Leistungsverlust macht sich
bemerkbar, nach der fünften Runde kommt sie nur noch mit Mühe und Not
noch den "Berg" rauf, aber sie hält durch, nach sieben Runden werden wir
abgewunken, zum zweiten Mal angekommen, SIEG.
Der weitere Verlauf des Tages unterscheidet sich nicht wesentlich von
den vielen vergangenen Rennstreckenabenden, Duschen, Biertrinken, dumm
daherreden, irgendwann halbtot ins Bett fallen.
Sonntag
Auch hier alles wie bereits so oft beschrieben, Höllenlärm, kein Kaffee
da, die Boxenmitbewohner längst beim fahren usw. ...
Also erstmal Kaffee kochen, aufwachen und die Augen langsam an die
grelle Sonne gewöhnen. Nach einer halben Stunde bin ich langsam soweit,
daß ich halbwegs klar sehen und denken kann, frage Eberhard, der gerade
Pause hat, ob er und Hans schon beim tanken waren. Natürlich waren sie
und ich beschwere mich, weil sie mich nicht geweckt haben, dabei haben
die beiden fürsorglich an mich gedacht und mir einen 20L Kanister
mitgebracht, tja, solche Freunde braucht ein schlecht organisiertes
Rennteam, die beiden sind halt doch Gold wert.
Die Trainingsläufe verlaufen unspektakulär, meine Rundenzeiten werden
immer besser, auch die Sarolea wird noch ein paarmal kurz ausgeführt,
aber nicht zulange um sie zu schonen.
Während des Vormittags bekomme ich Besuch von Tamas aus Budapest, einem
Guzzifahrer den ich übers Internet kenne. Er ist ganz begeistert von der
Veranstaltung und hat schon angekündigt, daß er auch nach Rijeka kommen
will.
Die Rennläufe beginnen gleich nach dem Mittagessen, wieder die Boliden
zuerst und ich wieder aus der vierten Reihe, aber diesmal komme ich ganz
schlecht vom Start weg, ich sitze wegen dem langen tank zuweit hinten
und die Kiste macht einen mörderischen Wheelie, als ich das Vorderrad
wieder am Boden hatte waren fast alle vorbei und ich mußte die ganze
Chose von hinten aufwickeln. Die ersten ganz langsamen konnte ich schon
in der zweiten Kurve hinter mir lassen, aber da war immer noch ein Pulk
von mindestens zehn Maschinen vor mir und ich mußte mich Stück für Stück
vorarbeiten, bis ich wieder hinter der Ducati vom Samstag aufgelaufen
bin, deren Tempo ich zwar gut mithalten konnte aber schneller hätte ich
mich nicht mehr getraut. Kurz vor uns fuhr Tomas Eschenbach, auch auf
einer 900SS, er war mir gestern hart auf den Fersen und als er sich eine
Runde später absetzen konnte schwante mir schon daß das nicht gutgehen
würde. So ging das ganze bis zur siebten Runde, dann winkte eine gelbe
Flagge und ich sah noch, wie die Ducati von Thomas senkrecht in die
Boxenmauer einschlug, ihm ist zum Glück nix passiert, aber ich habe es
kommen sehen, nicht zuletzt weil ich das ja aus leidlicher Erfahrung
kenne, wenn man schneller fährt als man kann .
Dann wieder die große Pause, ich fange langsam an meine Sachen
einzupacken, die Sarolea bekommt nochmal ein bißchen Sprit und dann
warte ich auf den Start der Vorkriech - Klasse. Dieses Rennen läuft
leider gar nicht so gut, vom Start weg letzter wie gehabt, aner der
Leistungsverlust kommt diesmal schon nach zwei Runden und nach ein paar
Fehlzündungen bleibt sie ganz stehen, Schade.
Nachdem ich dann endlich alles eingapackt und meine Racer auf dem Hänger
verstaut habe, überkommt mich schlagartig die Müdigkeit (oder ist es
etwa gar Unlust, am nächsten Morgen zur Arbeit zu gehen), jedenfalls
beschließe ich mit Sebastian + Jutta, Josef + Uli, Uwe + Moni + dem
Southern Division Team noch den Abend am Hungaroring zu verbringen, es
wird nochmal ein Bierchen geöffnet, dann ein zweites .... und viel
gelacht ....
So, das wars für diesmal, das nächste Grab the Flag ist im Juli in Most,
bis dahin gibts wieder viel zu tun.
Vorher starte ich vielleicht noch mit dem Guzzi Gespann in Ebermannstadt
bei Nürnberg zum Bergrennen, wenn es soweit ist geb ich nochmal bescheid
an die üblichen Verdächtigen.
Frank