Nun der gewünschte Bericht vom vergnüglichen Zusammentreffen
dieser Tage, am doch so traumhaft und verzaubernd auf einen wirkenden
Hungaroring, etwa 15 km südwestlich von Budapest. (Ich hatte etwas
übertrieben was die Fahrstrecke betrifft, ca. 740 km bis zum Ring.)
1. Anfahrtsprotokoll Donnerstag 13.05.1999
Abfahrt ca. 13.00 Uhr.
Ankunft ca. 22.45 Uhr. (Ebi´s betagter, nicht mehr ganz neuwertiger
Passat, 1983, 240.000 km erhält mit Fug und Recht das Prädikat
`Zuverlässig`. Hartes Abrollgeräusch der etwas in die Jahre gekommenen
Bereifung und ein für einen Außenstehenden doch auffälliges
Radlagergeräusch trübten den positiven Gesamteindruck das ansonsten
mängelfreie Zugfahrzeug´s minimal.)
Nach einigen Ankunftsbieren entschloß ich mich um ca. 1.00 Uhr meinen
doch mit deutlicher Sprache sprechenden, mitgenommen Luxuskörper zur
Ruhe zu legen. Sternenklarer Himmel und den Yahoo-Wetterbericht im
Hinterkopf wagte ich mich die Nacht mit mir und meinem Schlafsack im
Freien, auf der etwas nach Öl und Benzin riechenden Ladefläche des
Anhängers zu verbringen.
(Ende Donnerstag, 13.05.99)
2.Tagesgeschehen Freitag 14.05.1999
Die Nacht war kurz, aber frische Luft und ein warmer Schlafsack
bewirkten am Freitagmorgen (etwa 7.00 Uhr) einen rundum
zufriedenstellenden Allgemeinzustand meiner Person. (kein Kopfweh
durch genossene Alkoholika).
Die Morgentoilette war dann auch rasch mit Zähneputzen und einer Hand
voll Wasser erledigt. Die Duc gepackt fuhr ich kurz vor der
Fahrerbesprechung etwas auf und ab (ca. 8.45 Uhr) um das doch
beachtliche Ölvolumen von fünf Litern vor dem Gang auf die Strecke
etwas anzuwärmen. Alles schien normal, nur das Wetter machte einen
bedrohlich instabilen Eindruck.
Und so überschlugen sich die Ereignisse an diesem motivationsgeladenen
Freitagmorgen. Auf dem Weg zurück zur Box, die Fahrerbesprechung war
gerade zu Ende, spürte ich einen mich genau auf der Nasenspitze
berührenden und äußerst unangenehm wirkenden REGENTROPFEN.
Der Rest des Tages, bezüglich der Wetterlage, ist schnell beschrieben.
Es goß wirklich den ganzen Tag bis in die frühen Abendstunden wie aus
Kübeln. Da ich mir vorgenommen hatte im Regen nicht zu fahren, kühlte
mein Ölvorrat auf Umgebungstemperatur ab. Einige Leute gingen gegen
etwa 15.00 Uhr trotz anhaltender, deprimierender Wetterlage doch auf
den Kurs. Ich für meine Person hatte mir ein Ultimatum bis 14.00 Uhr
gesetzt, was zur Folge hatte das ich zu diesem Zeitpunkt den von Ebi
zur Verfügung gestellten Gerstensaft prüfte.
Ich beschloß für den restlichen Tag die beeindruckende Zahl
technischer Kulturgüter in Augenschein zu nehmen und dabei keine Box
auszulassen. (z.B. unzählige Norton Königswellen, Vincent, Velocette,
Triumph, BSA, Maico, Ducati Ein- und Zweizylinder(Königswellen),
Yamaha, BMW, Rudge, Triton, Laverda, Moto Guzzi, Seeley, CCM, Royal
Enfield, AJS, Sunbeam, NSU, Weslake ... usw. ca. 200 Kisten)
Ohne in den Bereich der Lügen abzudriften, eine HD war echt nicht
dabei(Feststellung: Keine Kritik!). Vor zwei Jahren aber war in Most
eine wunderschöne ´Sportton´ am Start.
Das ist ein HD-Sportster Motor in einem Norton Federbettrahmen.(war
echt gut) Muß mal schauen ob ein Foto davon da ist.
Einziger produktiver Abschnitt des ohne Übertreibung als trostlos zu
bezeichnenden Tages(vom Wetter her) war die Herstellung eines vorderen
Schutzbleches für Ebi´s SR. Der hatte nämlich keines montiert und
konnte ohne im Regen deshalb nicht fahren.
Als Ausgangsmaterial stand ein leerer, auf der Innenseite äußerst
schmieriger Bitumenkanister aus PE (Materialkennwerte dürften dem
Mister ´Kunststoff` bekannt sein)aus dem Müllcontainer zur
Verfügung.(Die Boxendächer wurden gerade saniert).
Der etwa 50 cm hohe, Im Durchmesser etwa 30 cm messende Kanister wurde
von uns mit chirurgischer Präzision zerschnitten und zum vorderen
Spritzschutz umfunktioniert.
Parallel dazu hatte der Bär Frank (P+Z, Auch Sarolea 500 Super Sport)
diverse Dichtheitsprobleme mit seinem Vorkriegstank.
Er wäre wohl sinnvoll gewesen das ganze vorher mal zu prüfen.
Nach mehreren Versuchen mit Kaltmetallen und anderen Epoxidharzen war
das Problem dann Samstag Abend im Griff.
Völlig im Rennfieber ging er meiner Meinung nach etwas unachtsam mit
der doch nicht ganz unproblematischenund sensiblen Vorkriegstechnik
um.
Schlamperei im Detail (gebrochene Auspuffhalterung hinten, Auspuff
ganz abgefallen und Flanschring im Zylinderkopf abgerissen)
Mir kann´s ja eigentlich egal sein, Rennfieber hin oder her, eine
solchermaßen aus Zeitnot zusammengeschossene Kiste derart zu
vergewaltigen ging mir einfach gegen den Strich.
Nach zwei Runden hatte zum Beispiel der neu gelagerte Auslaßkipphebel
(Otto Lantenhammer) spürbar mehrere Zehntel Spiel. Ich schlug ihm vor
der Ursache auf den Grund zu gehen oder zu mindest die ganze Sache
nochmal ordentlich abzuschmieren. Aber den Frank war es wichtiger noch
ein paar Runden zu drehen.
Status Sonntag Mittag: Auspuff komplett runter gebrochen; Beide
Kipphebel mit deutlich zuviel Spiel auf dem jeweiligen Lagerdorn.
Zu guter Letzt hatten sich beide Gabellagerböcke (freistehend,
sichtbar, leicht zu prüfen, man muß halt hinschauen) im Kopf gelockert
und er kann nur von Glück reden wenn der Kopf dieses Matyrium sonst
ohne Schaden überstanden hat.
Sein Ziel zumindest eine Runde mit der alten Dame zu schaffen hatte er
nach einigen Hürden geschafft.
So jetzt habe ich ja schon etwas vom Samstag verraten.
3.Samstag 15.05.1999 Hungaroring bei Budapest, Ungarn.
Nach einer Nacht in der Boxengasse stand ich fit und motiviert auf um
meine ersten Meter unter die Räder zu nehmen.
Gleiche Zeremonie wie am Vortag. Also mehrere Minuten durchs
Fahrerlager an den Boxen vorbei versucht mein Gerät warm zu bekommen
um Verschleiß und Warmfahrzeit auf der Strecke zu vermindern.
Ach ja zwischendurch kurz zum Wetter.
Starker Hochnebel vermochte einem die Wetterlage des angebrochenen
Tages nur schwer einschätzen zu lassen. Gegen 9.00 Uhr war klar, das
wird ein sonniger, wolkenloser Tag wie er auch schon für den Freitag
im Internet feilgeboten wurde.
Guter Dinge fuhr ich also auf und ab und mußte, ich traute meinen mir
zugehörigen Wahrnehmungsorganen links und rechts mittig am Kopf
angebrachten Ohren, nicht zu glauben. Beim betätigen der Kupplung
stellte sich ein deutlich, nicht zu überhörendes, metallisch nagelndes
Geräusch ein. Ich beschloß trotzdem kurz auf die Bahn zu gehen mit dem
Resultat, daß ich mit etwa 50 km/h um den Kurs gurkte, um ein
Verbrennen meiner permanent rutschenden Kupplung zu vermeiden.
Etwas frustriert machte ich mich daran den linken Gehäusedeckel
abzunehmen und nach dem Rechten zu schauen.
Kupplungsbelag und Stahlscheiben hatten die Aktion unbeschadet
überstanden und befanden sich in attraktiven um nicht zu sagen
neuwertigem Zustand.(Gott sei Dank)
Aber jetzt zur Fehlerdiagnose:(siehe auch Anlage Kupplung)
Das Sicherungsblech besitzt am Kupplungswellendurchmesser einen
kleinen Blechlappen der sich innenseitig in der Verzahnung des
Kupplungskorbes stützt und so einen verdrehsicheren Halt der Mutter
(M32) gewährleistet. Diese kleine, aus irgendwelchen Gründen nicht
mehr vorhandene Nase hatte zur Folge, daß das Sicherungsblech seiner
Funktion beraubt wurde, und sich die Mutter lösen konnte. Dadurch
konnten die Kupplungsfedern die ihnen zugeteilte Aufgabe, nämlich die
Beläge kraftschlüssig miteinander zu verbinden nicht mehr gerecht
werden.(siehe auch Bild 2,3und 4 SCOMPOSIZIONE MOTORE, Motor
Demontage, Blatt E12 das zum besseren Verständnis in der Anlage zu
studieren ist)
Das Sicherungsblech wurde von mir fachgerecht auf Vordermann gebracht
und so stand einer erneuten Montage nichts mehr im Wege.
(RICOMPOSIZIONE MOTORE, ital. Motor Zusammenbau)
Das (De-)Montagewerkzeug mit der Nummer 88713.0101 war natürlich
Bestandteil meines Equipment´s!.
Um 11.00 Uhr war es dem Erzähler erstmals möglich, den wunderschönen
Kurs mit frohem Mute zu beschnuppern.
Die Duc lief nun wirklich super und es gab wie auch sonst immer im
Verlauf der Veranstaltung keinerlei technische Unzulänglichkeiten mehr
zu bemängeln. Den Rest des Tages kostete ich jede Minute aus um auf
meiner Duc zu kesseln.
Vollgas hin oder her, ich für meine Person bin vom Fahrkönnen eher im
hinteren Drittel des Feldes anzusiedeln (trotz relativ viel Leistung)
und habe eigentlich nur das Ziel ein paar schöne Runden im Rahmen
meiner Möglichkeiten abzuspulen.
Dabei steht Sicherheit im Vordergrund. Meinereiner muß ja schließlich
mit dem meinigen, fünf Mäuler an der Zahl, stopfen.
Das war im wesentlichen der Samstag.
4.Sonntag,16.05.1999
Die Nacht im Freien (wieder Boxengasse) war doch deutlich kühler als
die letzte. Trotzdem war meine Entscheidung nicht in der Box zu
schlafen richtig. Das Gepansche mit Benzin und Öl ist in der Box
allgegenwärtig und auch von meiner heuschnupfen geplagten Nase klar
auszumachen. Der Sonntag war von der technischen Seite völlig
problemlos (Viva Ducati oder so!) Das Wetter war durchwachsen, zum
Großteil sonnig aber vor allem; es war Trocken. Von 9.00 Uhr bis 13.00
Uhr im halbstündigem Wechsel fahren in zwei Gruppen. Von 13.00 Uhr bis
14.00 Uhr Mittagspause. Von 15.00 Uhr bis 18.00 Uhr Rennen in den
verschiedenen Klassen. (gilt auch für Samstag)
Gegen Mittag sind vom Erzähler doch tatsächlich zwei junge, weibliche,
Wesen im Boxenbereich ausgemacht worden die zweifellos für Geld zu
erstehen gewesen wären. Sie versuchten Interesse vorzugaukeln und
stolzierten mehrmals auf und ab. Toll war dabei, daß dies scheinbar
keinen auch nur ansatzweise ansprach. So schnell wie sie gekommen
waren sind sie letztlich wieder verschwunden.
Der Ebi und ich beschlossen das Gelände gegen 15.00 Uhr zu verlassen
um nicht der Gefahr ausgesetzt zu sein aus Übermüdung einen Unfall zu
provozieren. Außerdem hatte der Ebi am Montag 8.00 Uhr Schulung.
Verständlicherweise wollte er da nicht am Beginn seines
Beschäftigungsverhältnis gleich unangenehm auffallen.(übermüdet,
ungewaschen, nach Alkohol, Benzin, Öl und Verbrennungsrückständen
stinkend) einlaufen um sich nicht gerade Bestnoten zu verdienen.
Ankunft München 16.05.1999 23.15 Uhr.
Bis auf den scheiß Freitag war das wieder mal ein gelungenes Weekend.
Ich hoffe das er sich durch meine Schilderungen des Erlebten
einigermaßen ein Bild machen kann.
5. Message closed
Gruß Hans-Peter