Liebe Freunde der sportlichen Kräder

So, auch das traditionelle Grab the Flag Rennen in Most hat nun
stattgefunden. Da die Veranstaltung diesmal ausnahmsweise von Montag bis
Mittwoch ging, bin ich zusammen mit Sebastian, seiner BMW R5 und meinen
beiden Renngeräten schon am Sonntag vormittag losgefahren. Die
Vorbereitungen waren tatsächlich schon am Vortag abgeschlossen.
Wir sind also ganz gemütlich Richtung Tschechien aufgebrochen und als
erste um 17:00 auf dem Rennkurs angekommen. Hier lief noch eine
Veranstaltung mit aktuellen Mopeds, wir haben denen noch eine Weile
zugeschaut weil wir erst eine Box beziehen konnten wenn die alle weg
sind.
Da waren schon einige wirklich schnelle dabei, die Masse allerdings war
trotz Leistungsüberschuß und modernem Material kein Stück schneller als
wir mit unserem Altmetall. Nach und nach trudelten auch immer mehr Leute
ein und nach kurzer Zeit war schon wieder allerbeste GtF Stimmung. Als
die Plastikbomber ihr Zeug eingesammelt hatten bezogen wir zusammen mit
Hans aus Passau und seiner Morini eine Box, später kam noch der Hermann
mit zwei BMW´s dazu.

Montag morgen, ca. 8:30

Ich habs tatsächlich mal geschafft aus dem Schlafsack zu kommen bevor
die ersten Trainingsläufe losgehen, bin ganz stolz auf diese Heldentat
und zwänge mich gleich in die Rennkombi um die Guzzi auf die Bahn zu
bringen. Die dunklen Wolken am Himmel verheißen nichts gutes ...
Die ersten Runden laufen recht gut, ich fahre sachte den Motor und die
Reifen warm, die Strecke kommt mir nach kurzer Zeit wieder vor wie
zuhause. Nach vier Runden lasse ich die Cavalli mal so richtig
losrennen, doch plötzlich ohne vorankündigung bleibt ratzfatz einfach
der Motor stehen, zum Glück nicht sehr weit von der Ausfahrt zur
Boxengasse. Trotzdem ist so ein Bolide alles andere als einfach zu
schieben und es geht gut bergauf, trotz der eher kalten Morgenluft komme
ich ordentlich ins Schwitzen.
Zuhause in der Box angekommen, fallen auch schon die ersten
Regentropfen. Genauso traditionell wie Most in diese Rennserie gehört
der Regen scheinbar auch dazu .. naja, macht nix, jetzt muß ich erstmal
Fehler suchen. Als erstes fällt auf, daß kein Strom da ist, alle
Kontrolleuchten sind stockfinster, außerdem ist die Batterie umgefallen,
so ein Mist.
Also wird die Batterie für tot erklärt und ich mache mich auf die suche
nach einer neuen. Nach kurzer suche werde ich auch schon fündig, Uwe
Schmidtmeier hat eine nagelneue Ersatzbatterie für seine SR dabei und
die kann ich haben, also reingebaut und ... nix, immer noch alles tot.
Daraufhin versuche ich mit der herumstehenden Autobatterie vom Hermann
mein Glück, klemme die daranhängenden Starthilfekabel an und sieheda,
alles leuchtet und funkelt im Cockpit. Also wird auch Uwes Batterie für
leer erklärt und ans Ladegerät gehängt, Hermanns Monstrum ist zu groß
und die Suche nach einem Ersatz geht weiter. Auch diesmal werde ich
fündig, Mitch der Guzzifahrer aus Berlin hat auch noch eine
Ersatzbatterie die definitiv voll ist und ich marschiere erleichtert
zurück zur Box (es regnet übrigens immer noch). Bakterie angeklemmt,
Vorfreude, langes Gesicht ... nix, alles dunkel, ja kruzifix das gibts
doch nicht, also wieder zum Test Hermanns Stromquelle hingehängt und
alles leuchtet. Jetzt gehe ich der ganzen Sache mal näher auf den Grund,
hole mein Meßgerät raus, klemme an und ab, messe Ströme und Widerstände
und plötzlich wirds mir klar: ich habe die Masse der großen Batterie
immer mit dem Starthilfekabel auf den Motor geklemmt, die kleinen aber
immer an die "richtige" Masseleitung, die hatte aber leider keine
(leitende) Verbindung mehr zum Rahmen und Motor, ein neues zwei
Zentimeter langes Massekabel behebt den ganzen Defekt und alle Batterien
stellen sich als tadellos heraus. Zum Glück hats die ganze Zeit
geregnet, da hätte ich sowieso keine Lust zum fahren gehabt. Während der
Mitagspause hört es auf zu regnen, ich mache die Sarolea fertig für die
technische Abnahme, die auch anstandslos bestanden wird. Mittlerweile
ist auch schon wieder Training der schnellen Gruppe, ich gehe mit der
Guzzi raus, alles läuft prima soweit, die Strecke kenn ich ja schon und
ich kann mich auf Bremspunkte und Linienfindung konzentrieren. Dann
mache ich mich mit der Sarolea auf den Weg zur Tankstelle, komme aber
leider nur fast bis dorthin, denn wenige Meter vorher kommt ein sehr
häßliches krachend-mahlendes Geräusch aus dem Getriebe und das Fahrzeug
bleibt schlagartig stehen. Mir gehen Sachen durch den Kopf die ich hier
gar nicht wiedergeben will, jedenfalls schiebe ich das marode Teil
zurück und es kommen auch während dem schieben unschöne Töne aus dem
Getriebe, begleitet von gelegentlichem Blockieren des Hinterrads. In der
Box wird sie auf den Ständer gestellt und wird dort die nächsten drei
Tage verbleiben. Nachdem ich mir die Geräusche aus der Nähe angehört
habe war mir klar, daß jeder Reperaturversuch an der Rennbahn nutzlos
ist, das Fahren hier und heute damit kann ich jedenfalls vergessen.
Etwas frustriert deswegen ziehe ich meine Runden mit der Guzzi, die nun
wieder tadellos funktioniert. Ich komme mir auch recht schnell vor, nur
die Rundenzeiten sind alles andere als berauschend, irgendwie fehlen mir
fünf Sekunden zum letzten Jahr.
Die Abendgestaltung beginnt mit einem Abendessen im Kulturpalast und
endet mit diversen Boxenbieren und diversem Rennstreckenlatein.

Dienstag morgen, 9:30

Das neue Konzept mit dem früheren aufstehen klappt offensichtlich noch
nicht reibungslos, als ich aufstehe sind die ersten schon beim
trainieren und in der Box herrscht schon reger Trubel, Hans und
Sebastian sind bereits auf der Piste. Ich schiebe mir ein Frühstück rein
und versuche wachzuwerden. Der Himmel ist wolkenverhangen, in der Nacht
hat es stark geregnet und die Rennstrecke ist noch naß, ich habe also
keine Eile. Die Guzzi wird nochmal kurz durchgeschaut, Reifendruck
geprüft und verringert wegen der Kälte und dann fahre ich auch mal raus,
allerdings ist das kein besonders großer Spaß, die Bahn ist zwar
teilweise trocken, aber zwischendrin sind immer wieder tiefe Pfützen.
Im Laufe des Vormittags fahre ich noch drei Trainingssets und
qualifiziere mich für die dritte Startreihe für das Rennen am
Nachmittag.
Die Boliden in unserer Open Class sind als erste Gruppe dran, die Wolken
werden immer dunkler und etwa fünf Minuten vor dem Start des Rennens
beginnt es leicht zu nieseln. Die meisten der Fahrer beschließen
daraufhin nicht zu starten und so stehen nur acht Motorräder am Start,
ich in der zweiten Reihe. Der Nieselregen verdichtet sich immer mehr und
bereits nach einer halben Runde liegen bereits die ersten beiden im
Kies, diese Rennstrecke ist im Regen wirklich wie mit Schmierseife
überzogen, ich fahre wie auf Schmierseife und merke immer wieder, wie
mein Renner übers Vorderrad schiebt. In der vierten Runde klappt mir
unversehens das Vorderrad einfach weg, ich habe keine Chance irgendwie
gegenzusteuern. Zum Glück war ich derartig langsam unterwegs, daß weder
mir noch der Guzzi irgendwas passiert ist, ich hebe sie auf, der
Streckenposten schiebt mich wieder an und weiter gehts, jetzt noch viel
vorsichtiger. Die ersten drei Kurven meistere ich auch, doch in der
vierten das gleiche Spiel, klapp, Vorderrad weg, ich sitze auf dem
schmierigen Asphalt und die Guzzi liegt mit laufendem Motor daneben.
Jetzt langsts mir aber endgültig, ich rechne kurz hoch (Ergebnis: wenn
das noch sechs Runden so weitergeht muß ich den schweren Bock noch
mindestens zwölf mal aufheben) und beschließe, daß ich trotz der
<weiterfahren, weiterfahren> Rufe vom Fahrerlager absolut keine Lust
mehr habe und gebe auf, komme patschnaß zurück in die Box und mache mir
ein Bier auf. Alles weitere wie gehabt.

Mittwoch, irgendwann am vormittag

Der dritte Tag beginnt mal wieder mit Nieselregen, nicht dramatisch aber
ich habe von nassen Rennbahnen die Schnauze voll und Frühstücke
gemütlich. Im Laufe des Vormittags hört es auf, es kommt sogar etwas die
Sonne raus, der Wind und einige unverzagte Fahrer trocknen die Bahn und
so komme ich noch zweimal zum trainieren.
Dann nach dem Mittagessen das Rennen, die Strecke ist nun durchgehend
trocken, kein Regen in Aussicht, also raus. Diesmal sind sechzehn Fahrer
am Start, da hatten wohl gestern einige schon kommen sehen wie das
endet. Als die Startflagge hochgeht bin ich mitten in einem Pulk von
Motorrädern und komme nicht nach vorne durch und schieße zusammen mit
fünf anderen aufs Nadelöhr zu, hier paßt aber nur einer durch und bevor
das zu Problemen führt lasse ich die anderen durch und hänge mich hinten
dran. Nun sind die plötzlich alle vor mir und bereits in der ersten
Kurve ist mir das alles viel zu langsam, ich sehe den Spitzenpulk ohne
mich davonziehen und muß erst vier langsamere überholen, bevor ich
richtig Gas geben kann. Der einzige der noch in Sichtweite ist, ist der
Michael Horn auf der Guzzi und ich schließe kurz drauf auf ihn auf.
Weiter vorne ist schon niemand mehr zu sehen und ich beschließe, daß ich
die sowieso nicht mehr erwische und hänge mich an Michaels Hinterrad, er
fährt ein Tempo daß ich leicht mithalten kann und mein Plan ist, in der
letzten Runde an ihm vorbeizuziehen. Leider ist auch daraus nix
geworden, nach wenigen Minuten stößt er schwarze Rauchwolken aus und
wird deutlich langsamer, ich überhole und drehe dann einsam und alleine
meine Runden, vorne niemand in Sicht, hinter mir auch keine Sau, nur
einmal steht eine schneckenlangsame BMW im Weg rum, aber das wars auch
schon. Nach diesem langweiligsten Rennen meiner Laufbahn werde ich als
sechster abgewunken, mit dem Ergebnis bin ich an sich zufrieden, etwas
mehr Nahkampf wäre halt lustiger gewesen.

Das wars also soweit, eins vielleicht noch:
die Sezierung der Sarolea hat ein trauriges Bild geliefert:
Das Getriebe ist ein kompletter Totalschaden, zwei Zahnräder sind
ausgebrochen und das Gehäuse hat einen Riß durch beide Lagerstellen,
eine Reperatur ist praktisch unmöglich. Damit ist wohl die
Vorkriegsklasse in dieser Saison für mich beendet, es sei denn ich
schraube den Beiwagen von der kleinen Guzzi ab ....

frank