Hallo Freunde der lauten Motoren
ein weiteres Renn-Event der Grab the Flag Serie ist gelaufen, natürlich
wieder unter Teilnahme von Fragola Racing.
Auch diesmal wurde wieder in beiden Klassen (BOTT und Vorkriech)
gestartet.
Wie immer wurden die Racer erst ganz kurzfristig vorher fertig, aber das
kenne ich ja mittlerweile. Die Kipphebel der Sarolea mussten neu
gelagert werden und das am Hungaroring zerfallene Schaltgstänge wurde
auch erst am Vorabend der Abfahrt mit Hilfe einer Gewindestange aus dem
Baumarkt neu gemacht, um drei Uhr früh habe ich die Werkstatt verlassen.
Die Hinfahrt der Guzzi ging diesmal im Transporter vom "LaverdaSepp",
die Sarolea habe ich dem "Mister SR500 Cup" Josef Lehle auf den Hänger
dazugestellt.
In Most angekommen wurde natürlich wieder die obligatorische Sightseeing
Tour durchs Fahrerlager gemacht, hier und da Hallo gesagt, das eine oder
andere Bierchen geöffnet und eine Box abgecheckt. Bis wir dann alles
ausgeladen hatten und die letzten Besucher gegangen waren war es auch
wieder deutlich nach drei, das erste Training beginnt um neun und davor
noch technische Abnahme, aber wir sind ja schliesslich auch nicht zum
Schlafen hier ....
Freitag, Training
Die technische Abnahme lief wie erwartet ohne Probleme, die Leute von
Southern Division waren ganz begeistert von der Sarolea, alle sind
gespannt ob sie diesmal hält.
Das erste Trainingsset wird auch gleich mit der Sarolea gefahren, dabei
zeigten sich auch wieder die mörderischen Vibrationen, ich habe sie zwar
wesentlich länger übersetzt um die Drehzahlen etwas runter zu bekommen,
aber auf dem schnellen Kurs von Most ist mit dem Teil natürlich 95%
Vollgas angesagt. Nach einer Weile traue ich mich mit dem
abenteuerlichen Fahrwerk auch immer mehr Schräglagen, und siehe da, so
ein Starrahmen ist gar nicht sooo übel (wenn man um die Wellen aussen
rum fähert). Einzig die Lenkgeometrie ist exrem Gewöhnungsbedürftig, ein
leichter Impuls am Lenker und die ganze Fuhre schaukelt sich auf, daß
man Angst hat runterzufliegen. Also beide Hände an den breiten Lenker
und immer schön festhalten, eine wirkliche Herausforderung bei den
Vibrations ...
Danach jeweils im Wechsel Training mit der Guzzi, die fährt wie auf
Schienen und sämtlich Bodenwellen werden einfach weggebügelt, das
Fahrwek ist jetzt dank Forcella Italia Renngabel mit Egli-Brücken
wirklich überzeugend, der Motor hat Kraft ohne Ende, einfach ein echter
Bahnburner.
Im vierten Sarolea Trainingsset am Freitagnachmittag dann deutlicher
Benzingeruch .... ich habe den Tankdeckel verloren, es spritzt richtig
Springbrunnenmäßig obenraus .... Training erstmal beendet, aber scheeee
wars :-))
Beim letzten Trainingslauf mit der Guzzi, ich wollte schon gerade
rausfahren, war plötzlich eine furchtbar schnelle BMW vor mir und mich
hat der Ehrgeiz gepackt dranzubleiben. Auf der Start/Zielgeraden auch
kein Problem wegen Leistungsüberschuss, dann die Schikane (die kann mit
dem Motorrad Vollgas durchfahren werden, wenn man im richtigen Winkel
draufhält ist genau eine Reifenbreite Platz), hier gehe ich
normalerweise vom Gas, obwohl ich weiß, daß es auch Vollgas geht.
Jedenfalls hält Stefan mit der BMW Vollgas und ich denke wenn der das
kann dann kann ichs auch. Genau danach muss man sofort hart links
abwinkeln und es kommt eine langgezogene Kurve die ich bisher immer so
mit 180-190 gefahren bin und das ist schon furchtbar schnell. Diesmal
wars aber gut über 200 und mich hat dann Blitzartig der Mut verlassen,
dummerweise vorn kurz gebremst, die ganze Fuhre stellt sich auf und ab
gings übern Curb in die Wiese ... die schnellste Enduro der Welt. Zum
Glück war die Grasbahn recht lang und ich konnte noch einigen Speed bei
wild hin und herschlagendem Lenker abbauen, bis ich im Kiesbett ankam
und die Mühle auf der Seite gelandet ist. Kein erkennbarer Sachschaden,
mir ist auch nix passiert, also den groben Kies entfernt und weiter
gings, allerdings mit deutlich reduziertem Elan.
Später hat dann noch jemand den Tankdeckel der Sarolea vorbeigebracht,
den er beim Abendspaziergang auf der Bahn gefunden hat, er war zwar
leicht vebogen, aber mit gezielten Hammerschlägen und einer Gewindefeile
konnte das Feingewinde wieder gerettet werden.
Samstag, Training
Erstes Training mit der Guzzi, im Prinzip läufts recht gut, nur die
Highspeed-Kurve macht mir Angst, ich gehe immer viel früher vom Gas als
sonst, obwohl ich dann jedesmal in der Kurve denke, das wäre aber auch
wesentlich schneller gegangen.
Dann Sarolea-Fahrt, schon wieder Benzingeruch, allerdings diesmal nicht
vom Deckel, denn der ist noch da, aber die Unterseite ... am Hungaroring
etwa zehn mal geklebt, wird wieder undicht und von den vier
Befestigungsschrauben haben sich zwei verflüchtigt. Also ist mal wieder
Dichtung angesagt, das wird aber auf den Abend verschoben.
Die Sarolea wird also traurigerweise vom ersten Rennen abgemeldet.
Samstag, erstes Rennen
Diesmal dritte Startreihe, die Trainingszeiten waren zwar etwa drei
Sekunden schneller als im Vorjahr, aber es sind einige dabei die nochmal
wesentlich schneller sind als ich.
Beim Start konnte ich wieder einige hinter mir lassen und bin als
vierter durch die Schikane, aber in der schnellen Linkskurve haben mich
dann noch zwei überholt, der Schrecken vom Vortag sitzt noch tiefer als
ich dachte. Nach einer weiteren Runde zieht eine Königswellenducati
vorbei, an die ich mich dranhänge, um sie dann nach Plan B in der
letzten Runde auf der Zielgeraden zu überholen. Dieser Plan wird
allerdings wieder verworfen, weil der Fahrer in absolut
lebensverneinender Art jedasmal Vollgas durch meine Angstkurve brettert
und der Abstand hier jedesmal ein Stück größer wird. Also lasse ich ihn
ziehen, hinter mir niemand in Sichtweite, also habe ich das Rennen
einsam auf Platz sieben zu Ende gebracht, nur in der letzten Runde war
noch einer zum Überrunden da.
Sonntag, Training
Der Saroleatank wurde am Vorabend noch mit Dirko geklebt, es scheint zu
halten. Dann raus auf die Bahn mit dem Schnauferl, alles läuft soweit
prima, nach drei Runden Trainingsende, um das Material für das Rennen zu
schonen. Die Vorkriecher fahren nur acht Runden, wenn ich einmal
überrundet werde sinds nur sieben, solange sollte sie doch halten ...
beim Check in der Box fällt auf, daß die Kleberei am Tank schon wieder
nachgibt, aber es ist nur etwa ein Tropfen pro Minute und ich
beschließe, daß
das im Verhältnis zum Alter des Mopeds als dicht gilt. Die
Tankbefestigung wird nochmals mit Loctite gesichert, alle Schrauben
nachgezogen, der offene Ventiltrieb bekommt noch ein paar Tropfen Öl,
damit sind die Vorbereitungen beendet.
Mit der Guzzi fahre ich noch ein paar schnelle Runden, um die Angstkurve
wieder etwas in den Griff zu bekommen und siehe da, mit jedem Mal gehts
besser, ich bin wieder bei 190 km/h angekommen.
Sonntag, zweiter Rennlauf
Zuerst ist die große Klasse dran, wieder dritte Startreihe. Als Dirk die
Startfahne hebt (noch fünf Sekunden bis zum Start), lege ich unter
lautem Klacken den ersten Gang ein, auch die Kontrolleuchte geht aus.
Dann will ich mit Vollgas und schleifender Kupplung wieder rauszischen,
aber nix passiert, der Gang war nicht drin und alle sind vorbei. Also
GAAAAAS was das Zeug hält, die Schlafmützen der hinteren Plätze sind
kein Problem, die kaufe ich mir schon im ersten Kurvengeschlängel
außenrum.
Nach der ersten Runde bin ich bereits auf Platz acht von neunzehn
Startern angekommen, auf der Zielgeraden die nächsten beiden geschnappt
und dann auf eine bärenstarke 1200er Laverda aufgelaufen, in jeder Kurve
hätte ich ein kleines bißchen schneller gekonnt, aber auf den Geraden
hat er immer wieder ein paar Meter gutgemacht. Dann kam noch von hinten
eine Norton an und wir drei haben fünf Runden lang einen richtig schönen
dreikampf hingelegt, mal war die Norton vorne dann wieder ich, nur die
Laverda war nicht zu packen. Irgendwann hat mich das dann genervt und
bei einem kleinen Rutscher der Lamerda bin ich vor und habe alles
gegeben. Trotz langsam nachgebender Reifen konnte ich meine
Trainingszeit sogar noch etwas verbessern und habe diesen fünften Platz
bis zum Schluss gehalten.
Dann Vorkriegsklasse, es wird spannend .... die Einführungsrunde nutze
ich, um nochmal die Schräglagenfreiheit auszuloten, an sich geht das
schon, man braucht nur Mut und starke Nerven.
Der Schiebestart haut diesmal prima hin, ich kann richtig zwischen den
anderen durchsausen, aber bereits in der ersten Kurve bin ich letzter,
mir fehlen einfach mindestens zehn Pferde. Ab jetzt wird einfach
gnadenlos Vollgas gefahren, auf dem ganzen Kurs muss ich nur zweimal
bremsen und Runde um Runde läufts besser, nur die deadly Vibrations
machen mir echt zu schaffen. Nach drei Runden taucht ein anderes
Motorrad am Horizont auf und ich komme immer näher ... jetzt wird noch
schräger in die Kurven gafahren und der Luftwiderstand durch langmachen
verringert und schliesslich schaffe ich es, langsam aber sicher schiebe
ich mich vorbei, ich fühle mich wie Schorsch Meier asuf der
Kompressor-BMW. Wie erwartet werde ich in der sechsten Runde von einer
teuflisch gutgehenden BMW R5 überrundet, keine Kunst mit 25 PS mehr.
Nach dem Abwinken in Runde sieben spüre ich meine Hände nicht mehr,
alles ab dem Ellenbogen ist komplett taub, aber es war ein Riesenspass,
ich habe mich gefühlt wie der Sieger, letztendlich wars Platz acht von
zehn, einer ist ausgefallen.
So, Schluss der langen Worte, das war mal wieder ein Superwochenende,
bis auf den Wiesenausflug am Freitag lief auch alles Prima und die
Stimmung war mal wieder genial.
Das nächste Rennen ist im September in Rijeka, bis dahin werde ich einen
neuen Tank für die Sarolea schweißen, mit dem alten wirds definitiv nix
mehr, der wandert endgültig ins Regal.
frank