Hallo Motorsportfreunde

So, lange hats diesmal gedauert, das Rennen in Rijeka ist ja nun schon
sechs Wochen her, aber die Ereignisse dieses Wochenendes mußte ich
erstmal verarbeiten. Ich war mir lange Zeit nicht sicher ob ich
überhaupt etwas darüber schreiben sollte.
Wie soll ich nun anfangen, ich denke es ist am besten ich beginne mit
dem Schluß der Veranstaltung, denn da ist etwas passiert was die Freude
über ein an sich wunderbares Wochenende völlig umgekehrt hat. Im letzten
Rennlauf am Sonntag war die Vorkriegsklasse dran und bereits in der
ersten Runde gab es einen Sturz der für den Fahrer tödlich endete.
Ich denke es ist hier nicht angebracht das weiter auszuführen, aber es
ist der Grund warum ich so lange gebraucht habe.
Ich werde trotzdem versuchen in der üblichen eher humorvollen Art und
Weise zu berichten, ich denke es ist trotz allem in Ordnung.

Donnerstag 21.9.2000, Planet Erde/Europa/Kroatien/Rijeka/Motodrom
Grobnik

ich komme diesmal schon sehr früh an, weil ich mich schon seit einer
Woche in Kroatien rumtreibe. Es sind erst wenige Fahrer am Platz und von
Southern Division ist außer Irma auch noch niemand da. So bleibt genug
Zeit einen 1a Standplatz auszuwählen und in aller Ruhe meine Sachen
auszupacken, nebenher mit weiteren Ankömmlingen zu plauschen und die
Abendsonne zu genießen. Da Irma noch immer alleine war haben Uwe und ich
dann die technische Abnahme übernommen, war ganz interessant das mal aus
dieser Perspektive zu sehen. Da kommen Leute mit Fahrzeugen an, da kann
man wirklich nur noch mit dem Kopf schütteln. Bei Einbruch der
Dunkelheit wurde dann der Abnahmebetrieb eingestellt und zum gemütlichen
Teil des Abends übergegangen..

Freitag morgen, viel zu früh für mich

da der gemütliche Teil wie üblich etwas länger gedauert hat, komme ich
mal wieder fast nicht aus dem Nachtlager, aber als die ersten Motoren
brüllen ist es natürlich vorbei mit schlafen. Zum Glück habe ich nicht
das Bedürfnis sofort loszulegen, denn ich war bereits am vorherigen
Wochenende hier um fleissig zu üben und so lasse ich den Tag ganz ruhig
angehen, also in aller Ruhe Frühstücken und Kaffeetrinken, so gefällt
mir das.
Nachdem die ersten schon am schrauben sind weil sie ihre Fahrzeuge
gleich kaputtgemacht haben drehe ich die ersten Runden und habe auf
Anhieb ohne Streß und Hektik recht gute Rundenzeiten, so ein
vorgezogenes Übungswochenende hat schon was für sich. Die Mittagspause
bietet sich an um noch ein Nickerchen zu machen und am Nachmittag wird
wieder ausgiebig trainiert. Leider läßt die Kupplung mit jeder Runde
mehr und mehr nach und ich absolviere die letzten Trainingssets mit der
SRX um die Guzzi fürs Rennen zu schonen. Der Abend war wie üblich
fröhlich und feucht und natürlich auch wieder etwas länger als ich mir
vorgenommen habe

Samstag vormittag

auch heute wieder ein ruhiger Anfang, die meisten fahren schon seit
einer Stunde, mir egal, sollen sie nur ihr Material aufarbeiten.
Zuerst teste ich nochmal die Guzzi und stelle fest, daß ich so mit der
Kupplung nicht zum Rennen starten brauche, der Motor heult beim Gasgeben
auf, nur schneller wirds kaum. Also raus zur Box und bei laufendem Motor
eine halbe Dose Bremsenreiniger auf die Trockenkuuplung gesprüht,
Testfahrt ... na also, geht doch.
Trotzdem wird Guzzi wieder abgestellt und noch ein bisschen mit der SRX
trainiert, bringt zwar kaum was, weil mit der Kiste natürlich ein völlig
anderer Fahrstil gefragt ist, aber Spaß machts trotzdem und die
Fußrasten werden ordentlich auf dem Asphalt gekürzt. In der Mittagspause
wird noch ein kurzer technischer Check gemacht, alles prima.

Samstag nachmittag, the Races

wir starten mal wieder als erste, ich nutze die halbe Stunde Zeit nach
der Mittagspause noch schnell für ein paar Runden, dann raus und sofort
in die Startaufstellung, ich stehe in der zweiten Reihe. Als die
Startflagge hochgeht versuche ich blitzartig loszuschießen, aber die
Kupplung läßt schon wieder leicht nach, ich komme als achter in die
erste Kurve, aber bereits nach einer Rnde bin ich fünfter. Vor mir fährt
eine Guzzi, das Tempo kann ich leicht mithalten und nach einer weiteren
Runde ziehe ich auch hier vorbei, vierter Platz, na also, geht doch. Der
Abstand zum fünften wird Runde um Runde größer und ich komme sogar dem
dritten langsam aber sicher näher, plötzlich fängt auf der Zielgeraden
der Motor an zu spucken, ich brauche nur den Bruchteil einer Sekunde bis
es mir einfällt:
Ich habe mal wieder vergessen zu tanken
Die Schimpfworte die ich mir in dem Moment selber an den Kopf werfe
möchte ich hier gar nicht wiedergeben ....
Ich versuche zwar noch durch spritsparende Fahrweise ins Ziel zu kommen,
aber für mehr als eine halbe Runde reichts nicht mehr, ich rolle aus,
stelle das Moped an die Strohballen und laufe zurück zum Fahrerlager.

Sonntag vormittag

und wieder lacht die Sonne über Kroatien, ich inzwischen auch über mich,
genau wie der Rest der Mannschaft. Keiner schafft es vorbeizugehen ohne
mich zu fragen ob ich auch wirklich getankt hätte, tja so gehts eben
wenn man vor dem Rennen zwar das Ventilspiel kontrolliert aber nicht in
den Tank schaut.
Aber eins schwöre ich mir, nochmal passiert mir das nicht mehr.
Die Kupplung wird nochmal gründlich gereinigt, der Tank mit ausreichend
Sprit befüllt, die Vorbereitungen für ein hoffentlich besseres Ergebnis
sind damit getroffen.

Sonntag nachmittag,

das Rennen steht bevor, ich schaue zum zehnten mal in den Tank, überlege
ob zehn Liter wirklich reichen, überlege noch was ich sonst vergesen
haben könnte, aber mir fällt nichts mehr ein, also gehts los.
Startaufstellung wie gehabt, Flagge, die Kupplung hält, ich bin vierter,
prima.
Etwa eine Runde lang kann ich mit der Spitzengrupe mithalten, dann wird
der Abstand immer größer und ich fahre mal wieder alleine, was mir gar
nicht liegt. In der dritten Runde habe ich die Guzzi vom Samstag wieder
am Hinterrad kleben, kann ihn aber noch eine Weile hinter mir halten.
Runde fünf, anbremsen auf die lange 180° Kurve, schwupp ist er vorbei
und gibt Gas wie ein irrer, ich bin so verdutzt, daß ich gar nicht
dranbleiben kann und er zieht langsam davon. Das kann ich natürlich auf
gar keinen Fall einfach so auf mir sitzen lassen und so drehe ich
ordentlich am Gasgriff um ihn wieder zu schnappen, bin kurz drauf wieder
an seinem Hinterreifen und als er etwas zu früh bremst, zack, bin ich
wieder vorn. Na dem hab ichs aber gezeigt wie das geht, doch die Freude
ist nur von kurzer Dauer, das Duell geht weiter, kaum eine Runde später
hat er mich wieder, exakt an der gleichen Stelle, ja gehts noch oder
was? Der wills aber ganz genau wissen ... und um klarzustellen, daß ich
nicht gewillt bin ihn kampflos vor mir über die Ziellinie
gehen zu lassen gebe ich nochmal ordentlich Gas, komme auch neben ihn,
aber habe nicht die Nerven später zu bremsen, er ist auf der Ideallinie
und die Kurve gehört ihm. Wir sind mittlerweile in der neunten von zehn
Runden, das Publikum johlt und ich sehe nur noch eine Chance, die
Haarnadelkurve vor der Zielgeraden, da muß ich vorbei. Auf der langen
Gerade die drauf zu geht gebe ich alles, drehe den Motor weit in den
roten Bereich (er möge es mir verzeihen) und ziehe gleichauf, verlasse
mich auf die grenzenlose Haftfähigkeit der Rennreifen und Bremse einfach
viieel später, und sieheda, ich bin vorn. Diesmal mit deutlichem
Abstand, keine Chance mehr für meinen Konkurrenten und so werde ich an
dritter Stelle liegend abgewunken.
Das war mit Abstand das schönste und spannendste Rennen das ich je
hatte, in der Auslaufrunde sind wir auf den geraden Hand in Hand
gefahren, einfach genial.

Wie der geneigte Leser vermutlich bemerkt hat, bin ich nur in der
Classic Open mit der Rennguzzi gefahren, die Sarolea ist seit dem
Getriebeschaden von Most immer noch defekt, aber ich habe bereits
neue-alte Getriebeteile bekommen und die nächste Saison läuft sie
hoffentlich wieder.
Im Gesamtklassement der Classic Open bin ich nun auf Platz fünf
gelandet, im Prinzip recht erfreulich finde ich.

frank