Zum Rennfahrer ist nicht jeder Motorradfahrer ohne weiteres geschaffen. Zur Ausübung dieses nicht ungefährlichen Berufes gehört vor allem: unbedingte Vertrautheit mit dem Motor. Der Fahrer darf keinen Moment das Auge von der Fahrbahn wenden, sondern muß alle Hebel durch Tasten finden. Das letztere gilt besonders von Bestreiten eines Rennens auf einer Rennbahn. Es treten an den Fahrer ohnedies eine Menge unvorgesehener Umstände heran, die es ihm unmöglich machen, etwas anderes zu sehen als die Bahn und seine Konkurrenten. Zum Bestreiten eines Bahnrennens gehört vor allen Dingen genaue Kenntnis der Bahn. Diese kann natürlich nur durch längeres Training erzielt werden. Das Fahren auf der Rennbahn ist nicht so einfach als sich mancher vorstellt. Das "Sichhineinwerfen" in die Kurve will gelernt sein, ebenso das "Herauskippen".
![]() Georg Meier 1939 auf BMW |
Das Nehmen einer Rennbahnkurve ist vollständig verschieden von dem Nehmen einer scharfen Straßenkurve. Ein guter Straßenfahrer kann deshalb doch ein schlechter Rennfahrer sein, und umgekehrt. Von den Regeln, welche für das Vorbeigehen bei Rennen usw. auf der Bahn gelten, soll an dieser Stelle nicht berichtet werden, da die diesbezüglichen Bestimmungen den Fahrern bei der Ausstellung einer Lizenz als Rennfahrer zugeteilt werden. Hauptbedingung für den Bahnrennfahrer ist: Geistesgegenwart, ein scharfes Auge, gutes Abschätzungsvermögen, genaue Kenntnis seines Motors, Verständnis für Ölung und Regulierung und last not least leichtes Gewicht, denn bei Rennen, die mit gleichen Motoren stattzufinden plegen, entscheidet das letztere oft nicht in letzter Linie
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Straßenrennen finden verhältnismäßig nur selten statt. Gewöhnlich werden die Schnelligkeitsrennen auf steilen Bergstraßen, die noch dazu viele schwierige Kurven aufweisen, ausgefahren. Es werden also an die Fahrer die denkbar größten Anforderungen gestellt. Ein guter Straßenrennfahrer muß vor allen Dingen ein ausgezeichneter Kurvenfahrer sein, wenn er nicht im vornherein alle Chancen verlieren will. Nicht allein, daß im raschen Nehmen der Kurve bereits der Gewinn läge, nein, der Grund liegt tiefer. Durch bedeutendes Abstoppen in der Kurve kommt der Motor aus der Tourendrehzahl, er wird, wenn der Fahrer auf der Langseite wieder die frührere Schnelligkeit entwickel will, nicht so schnell in Schwung kommen wie derjenige, den sein Fahrer in voller Pace durch die Kurve führt. Das Kurvenfahren will gelernt sein, mancher glaubt, daß er es bereits könne, und muß dann doch einsehen, daß er ein Lehrling ist, wenn er unsere Meister der Straße um die scharfen Kurven flitzen sieht.
Die Rennfahrer haben beim Kurvenfahren fast alle ihre eigenen Tricks. Vielleicht ist es auch für den Nichtrennfahrer nicht uninteressant, einmal den alten Kämpfern ihr sorgsam gehütetes Geheimnis abzulauschen. Verfasser dieses, welcher einstmals mitten im Rennfahrerleben stand, und sich mit den besten unserer Motorradkämpfern unzählige Male gemessen hat, glaubt sich durch die kleinen Indiskretionen nicht seine Freunde zu verscherzen, denn wenn auch manches sorgsam gehütete Geheimnis ausgeplaudert wird, so ist Verfasser doch der Ansicht, daß noch nicht jeder ein perfekter Rennfahrer ist,-- der das Rezept hierfür in der Tasche hat.
Das Bremsen könnte er doch wahrlich intensiver haben und nicht auf Kosten der Stiefelsohlen. Allerdings gibt es wirklich Rennfahrer, die das bewußte Bremsen tatsächlich ausführen, sie machen es eben den guten Fahrern nach wenigstens glauben sie es nachzumachen, weil sie schlecht beobachtet haben und die sich dann wundern, daß sie trotz des Bremsens nicht schneller fahren, als wenn sie den Fuß auf dem Pedal behalten. Der gute Fahrer lacht, wenn er diese Bemühungen sieht, hält sich aber nicht für bemüßigt, seinen Konkurrenten aufzuklären, er erklärt ihm vielmehr, daß er während des Trainings täglich zwei Paar Stiefelsohlen brauche. Ist es nötig hinzuzufügen, daß der also Belehrte deren drei pro Tag braucht?

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Ein besonderer Trick, eine scharfe Kurve zu nehmen, ist der, daß man ganz an der Innenseite derselben fährt, die Maschine so schief unter sich legt als es eben noch angeht, ohne daß dieselbe wegrutscht, und sich dabei bemüht, vollständig lotrecht auf dem Sattel zu sitzen. Man gebraucht nur die Vorsicht, den Fuß, welcher sich an der Innenseite der Kurve befindet, vom Pedal zu nehmen, denn Vorsicht ist die Mutter der Bowdenbremse Voila tout. Wohlverstanden, Fahrer und Maschine dürfen nicht beide schief liegen, sondern die Linie, die beide in der Kurve bilden, muß einen Knick bilden. Man beobachte den Fahrer in Abb. 107.
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Was soll der Motorradfahrer für Bekleidung wählen? Diese Fragen läßt sich nicht für jeden Motorradfahrer zufriedenstellend beantworten. Der Arzt, welcher nicht als Sportsmann zu seinen Patienten kommt, wird in den seltensten Fällen sich dazu verstehen, in vollem Sportsdreß auf die Tour zu gehen. Er wird, wenn irgendwie möglich, möglichst unauffällig und in unverändertem Straßenkostüm zu fahren wünschen. Das gleiche gilt für motorradfahrende Geistliche und ähnliche Berufsarten. Diese Herren können sich nur schwer entschließen, irgendwelche Veränderungen ihres äußeren Menschen vorzunehmen, und wenn wir offen sein wollen, wer sollte es ihm verdenken? Wie oft wird es gerade Geistlichen des platten Landes verübelt, wenn sie sich der modernen Fahrzeuge bedienen! Wenn wir also auch darauf verzichten müssen, ein einheitliches Kostüm für alle Motorradfahrer vorzuschlagen, so soll doch anderseits der Versuch gemacht werden, verschiedene allgemein gültige Prinzipien für die Bekleidungsfrage aufzustellen.
Auf schlechten Straßen und schlüpfrigen Wegen ist die Gefahr des Rutschens nicht so groß, wenn man mitten durch die Pfütze fährt. Sie sind stets die tiefsten Punkte, an denen ein abgleiten selten möglich ist.
Es ist kein Merkmal besonderer Fahrfertigkeit, dauernd Höchstgeschwindigkeit zu fahren oder die Maschine zu überlasten. Richtig ist es, den Motor nicht bis zur äußersten Kraft zu beanspruchen, um seiner vorzeitigen Abnützung vorzubeugen. Bei besonderen Anlässen ist dann auch die Maschine befähigt, mit vollster Kraft die größtmögliche Leistung aufzubringen.